Die Geschichte des Stadtpark Bochum - Teil 2


Der Stadtpark Bochum blickt auf eine lange und facettenreiche Geschichte zurück. Seit seiner Entstehung im späten 19. Jahrhundert hat sich das Areal kontinuierlich weiterentwickelt und spiegelt in seiner Struktur die gesellschaftlichen und städtischen Veränderungen der Region wider. Der zweite Teil der chronologischen Übersicht dokumentiert die wichtigsten Meilensteine, historischen Entwicklungen und gestalterischen Veränderungen, die den Park bis heute geprägt haben.

Den ersten Teil der Bochumer Stadtpark Geschichte finden sie hier.

1900

Am neu geschaffenen Hauptzugang wird ein monumentales, kunstvoll geschmiedetes Tor nach den ästhetischen Entwürfen des Stadtbaumeisters Neumann installiert. Flankiert wird das Tor von zwei weitleuchtenden elektrischen Bogenlampen, die als modernes Symbol der aufstrebenden Industriestadt dienen. Rund um den Kaiserring (die heutige Straße „Am Alten Stadtpark“) entsteht zeitgleich eine dichte, noble Villenbebauung des gehobenen Bürgertums.

1902

Die Stadt Bochum erwirbt durch einen strategischen Großkauf die weitläufigen nördlichen Agrarflächen im Gesamtausmaß von rund 11 Hektar, wodurch der Stadtpark seine bis heute gültige Kernfläche von rund 32 Hektar erhält. Der begabte Gartenbautechniker Ernst Finken legt im selben Jahr seinen ersten visionären Entwurf für diese umfassende zweite Parkerweiterung vor. Zeitgleich wird der Bürgersteig entlang der Hauptfront an der Bergstraße mit einem kunstvollen Mosaikpflaster mit farbigen Ornamenten befestigt.

1903

Die Bochumer Stadtverordnetenversammlung entscheidet sich offiziell für die praktische Umsetzung des überarbeiteten Entwurfs von Ernst Finken.

1904

Die praktischen Arbeiten für die zweite Erweiterung laufen unter der Leitung von Ernst Finken auf Hochtouren, und im Zuge dessen wird ein neues Pflanzen-Anzuchthaus für die Gärtnerei errichtet. An der benachbarten Cäcilienstraße (der heutigen Klinikstraße) beginnt zeitgleich der Bau der staatlichen Hebammen-Lehranstalt, wodurch sich die städtische Bebauung immer enger an die Parkgrenzen heranschiebt.

1905

Die zweite Erweiterung wird fertiggestellt. Es entsteht ein monumentaler, 1,795 Hektar großer neuer Teich mit zwei Inseln, ein künstlicher Wasserfall mit alpinen Felspartien am Nordufer sowie der prachtvolle Rosengarten als langgestrecktes Parterre mit Rosenrabatten, Taxuskegeln und Pyramidenpappeln. Das alte Kaiserdenkmal wird durch die Schillerbüste und die Schillerlinde ersetzt, das historische Maischützen-Denkmal wird auf die zweite Junggesellenwiese versetzt, und an der Südseite des Parks wird die Kurfürstenstraße offiziell angelegt.

1906

Zur erheblichen Steigerung des Freizeitwerts investiert die Stadt Bochum in die Infrastruktur des neuen Gewässers und beschafft die ersten zehn bis zwölf hölzernen Ruderboote für den Weiher im neuen Stadtparkteil. An der Bergstraße beginnen zudem die Bauarbeiten für ein neues, repräsentatives Parkwächterhaus im historisierenden Stil (heutige Haus Nr. 120).

1907

Das architektonisch anspruchsvolle Terrassenbauwerk der "Bastion" am Südufer des neuen Teichs wird vollständig fertiggestellt und dient fortan als monumentaler Aussichtspunkt. Das neue Wärterhaus an der Bergstraße wird bezogen, und auf einer erweiterten Wegekreuzung nahe dem nordöstlichen Eingang wird eine solide Schutzhütte inklusive einer Bedürfnisanstalt errichtet.

1908

Die Stadtverordneten runden das Parkareal im Südosten des alten Stadtparks durch den gezielten Zukauf weiterer privater Parzellen ab. Um ein weithin sichtbares Denkmal zu schaffen, schreibt die Stadt einen hochkarätigen Architekten-Wettbewerb für den Bau des monumentalen Bismarckturms aus, bei dem der Entwurf des Breslauer Architekten Albrecht Friebe zur Ausführung empfohlen wird.

1909

Unter großer Beteiligung der Bochumer Bevölkerung und vaterländischer Vereine wird die feierliche Grundsteinlegung für den Bismarckturm vollzogen. An den äußeren Parkgrenzen beginnt zeitgleich der Bau der evangelischen Lutherkirche nach den Entwürfen des renommierten Architekten Arno Eugen Fritsche, der für seine sakralen Bauten im Stil des Historismus bekannt ist.

1910

Der wuchtige, aus Ruhrsandstein errichtete Bismarckturm wird offiziell eingeweiht, und die weithin sichtbare Fackel auf seiner Spitze nimmt ihren regelmäßigen Festbetrieb auf. Der Landschaftsplaner Ernst Finken und der erfahrene Stadtparkinspektor Wilhelm Wagener gestalten gemeinschaftlich den großzügigen, repräsentativen Vorplatz rund um das neue Monument im Stadtpark.

1911

Auf dem amtlichen Encke-Plan wird eine hochempfindliche Erdbebenwarte auf dem Areal des heutigen Tierparks verzeichnet. Nach jahrzehntelangem, unermüdlichem Einsatz wird Stadtpark-Inspektor Wilhelm Wagener offiziell in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Seine Nachfolge als Garteninspektor tritt Ferdinand Tutenberg an. An der Gudrunstraße beginnt zudem der Bau des St. Joseph-Hospitals, und die Stadt Bochum schreibt einen reichsweiten Architekten-Wettbewerb für den vollständigen Neubau des Parkhauses im Stadtpark aus.

1912

An der Nordseite des Parks wird die Gudrunstraße offiziell für den Verkehr freigegeben, und das Josephshospital nimmt seinen medizinischen Betrieb auf. Der renommierte Architekt Professor Karl Elkart gewinnt den Architektur-Wettbewerb für das neue Parkhaus und unter seiner fachlichen Leitung beginnt auf dem Gärtnereigelände zudem der Bau des neuen Milchhäuschens (heute Klinikstraße 51, Tierpark-Restaurant/Franz Ferdinand Bochum). Elkart, geboren 1880 und später Stadtbaurat in Hannover, war bekannt für seine Brücke zwischen Historismus und früher Moderne.

1913

Das alte, zu klein gewordene wilhelminische Parkhaus wird vollständig abgerissen, und an dessen historischem Standort wird eine weitläufige, bewirtschaftete Aussichtsterrasse für die Parkbesucher angelegt. Das neue Milchhäuschen von Professor Elkart wird fertiggestellt, wodurch der bisherige provisorische Ausschank direkt am Gärtnerhaus entfällt.

1914

Der imposante Neubau des heutigen, wesentlich größeren „Parkhauses“ wird etwas weiter in die geometrische Mitte der großen Rasenfläche verlegt und nach den Plänen von Professor Karl Elkart feierlich eröffnet. Wilhelm Pick wird zum neuen Gartendirektor der Stadt Bochum berufen. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs werden alle weiteren Großprojekte gestoppt, und als Geste der funktionalen Öffnung wird der trennende Zaun zum Sportplatz an der Bergstraße dauerhaft demontiert.

1924

Die Stadt Bochum vollzieht eine wichtige administrative Arrondierung des Stadtparks durch den finalen Ankauf einer privaten Parzelle an der Ecke Kurfürstenstraße und Klinikstraße. Das dortige Gebäude wird abgerissen, um die Fläche in den kommenden Jahrzehnten sukzessive gärtnerisch in das Parkensemble zu integrieren.

1925

An der Bergstraße mit der Hausnummer 68 beginnen die Bauarbeiten für ein neues, im Stil des Backsteinexpressionismus gehaltenes Parkwächterhäuschen, das mit einer integrierten öffentlichen WC-Anlage ausgestattet wird und den gestiegenen hygienischen Standards der Weimarer Republik entspricht.

1926

Ein skulpturales Highlight der Weimarer Republik wird geschaffen: Der berühmte Jungmädchenbrunnen, entworfen von Eugen Schmohl und Wilhelm Gerstel, wird im Zentrum des Rosengartens feierlich enthüllt. Zuvor wird die alte Wetterwarte der Fachhochschule Agricola von dieser Stelle entfernt, und der gesamte Rosengarten wird im Geiste der Neuen Sachlichkeit geometrisch umgestaltet. Das neue Parkwächterhäuschen mit einer kunstvollen Vogel-Plastik an der Giebelseite wird fertiggestellt.

1927

Im neuen amtlichen Stadtplan ist die 1924 erworbene Parzelle im Südosten bereits als freigelegte Fläche ohne Hochbebauung verzeichnet, was den fortschreitenden Rückbau der privaten Strukturen für den Stadtpark dokumentiert.

1929

Die Stadtverwaltung beschließt die Umwandlung des ehemaligen, mittlerweile ungenutzten Sport- und Spielplatzes an der Bergstraße. Es beginnen die Arbeiten zur Anlage eines prachtvollen, farbgewaltigen Dahliengartens, der als gärtnerisches Schmuckstück konzipiert ist.

1930

Der neue Dahliengarten wird feierlich für die Öffentlichkeit freigegeben. Das Herzstück der Anlage bildet ein geometrisches, architektonisch anspruchsvolles Wasserbecken, das im Spätsommer von Tausenden blühenden Dahlien umsäumt wird. Die Fackel des Bismarckturms stellt um diese Zeit aus ökonomischen und technischen Gründen ihren regelmäßigen Betrieb ein.

1933

Eine bedeutende funktionale Bereicherung erfolgt im Mai des Jahres, der „Verein Bochumer Tierparkfreunde e.V.“ gründet den Tierpark Bochum direkt auf dem Gelände der ehemaligen Stadtparkgärtnerei. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wird Bochum zudem zur offiziellen „Gauhauptstadt“ für den Gau Westfalen-Süd deklariert, was tiefgreifende politische Veränderungen für die Stadtplanung nach sich zieht.

1935

Im Zuge der nationalsozialistischen Umgestaltungspläne wird der Stadtpark radikal verändert. Um die historische Anlage optisch vollständig zu öffnen und sie in den sterilen, monumentalen Raum der Gauhauptstadt einzugliedern, erfolgt die vollständige und restlose Beseitigung der historischen Stadtparkeinfriedung, einschließlich der handwerklich meisterhaften Brüstungsmauer und des verzierten Eisengitters aus dem Jahr 1899. Das Kriegerdenkmal im Stadtpark wird im Rahmen einer propagandistischen Massenveranstaltung feierlich eingeweiht.

1943

In der Nacht vom 13. auf den 14. Mai erlebt Bochum den ersten schweren britischen Großangriff des Zweiten Weltkriegs. Der Stadtpark wird von Dutzenden Spreng- und Brandbomben getroffen. Die Druckwellen reißen tiefe Krater in die historischen Rasenflächen, zerstören wertvolle, jahrzehntealte Gehölzgruppen der ersten Erweiterung und beschädigen die Uferbefestigungen der Teichanlagen schwer. Das von Karl Elkart entworfene Parkhaus im Stadtpark brennt nach mehreren Brandbombentreffern im Dachstuhl teilweise aus.

1944

Der verheerendste Luftangriff auf Bochum erfolgt am 4. November durch die Royal Air Force. Das Stadtparkviertel erleidet erhebliche Treffer durch die Bombenteppiche auf die umliegenden Industrieanlagen. Das bereits beschädigte Parkhaus wird bis auf die Grundmauern zerstört und auch das historische Milchhäuschen sowie die umliegende Gärtnerei erleiden schwerste Substanzverluste. Nahezu zwei Drittel des historischen Baumbestands werden durch Bombensplitter, Druckwellen und Kahlschlag irreparabel vernichtet oder schwer beschädigt.

1945

Nach dem Einmarsch der alliierten Truppen im April liegt der Park weitgehend brach. Die verbliebenen Freiflächen werden von der hungernden Bochumer Bevölkerung teilweise illegal in Grabeland umgewandelt, um Kartoffeln und Gemüse anzubauen. Die Reste der zerstörten Bäume werden als dringend benötigtes Brennholz für den anstehenden Winter geschlagen. Die städtische Gartenverwaltung unter der vorläufigen Leitung der britischen Militärregierung beginnt im Spätherbst mit der ersten provisorischen Trümmerräumung und der Absicherung der tiefen Bombenkrater.

1948

Mit der Währungsreform im Juni und der schrittweisen Stabilisierung der wirtschaftlichen Verhältnisse beginnt der systematische und geplante Wiederaufbau des Stadtparks. Unter der Leitung des neu geordneten Gartenamtes werden Hunderte von Bombenkratern mit Trümmerschutt und Mutterboden verfüllt. Es beginnt ein groß angelegtes Nachzucht- und Wiederaufforstungsprogramm, bei dem vor allem schnellwachsende Pappel- und Ahornsorten gepflanzt werden, um die Lücken in den historischen Sichtachsen rasch zu schließen.

1950

Im Zuge des fortschreitenden Wiederaufbaus wird die bereits im Jahr 1924 administrativ erworbene südöstliche Parzelle an der verkehrswichtigen Ecke Kurfürstenstraße und Klinikstraße gärtnerisch vollkommen harmonisch in den Park integriert. Das im Krieg zerstörte Parkhaus wird nach heftigen Debatten in stark veränderter, schlichter Form der frühen Nachkriegsmoderne wiederaufgebaut und als gastronomisches Zentrum reaktiviert.

1954

Der Tierpark Bochum, der im Krieg ebenfalls fast vollständig zerstört wurde, kann nach intensiven Wiederaufbaumaßnahmen der Vereinsmitglieder und der städtischen Betriebe wichtige neue Gehegeanlagen eröffnen und gliedert sich wieder fest als biologische Bildungsstätte in das östliche Parkgefüge ein.

1962

Die Stadt Bochum leitet in diesem Jahr eine umfassende ästhetische Modernisierung des Parks ein, die dem Zeitgeist der Wirtschaftswunderjahre entspricht. Auf den weiten Wasserflächen des Gondelteichs und dem kleinen Teich - bekannt als Alter Weiher - werden moderne, technisch aufwendige Fontänen und Wasserspiele installiert, die mit ihren hohen Wasserstrahlen zu einem neuen visuellen Anziehungspunkt für die Bochumer Bevölkerung werden.

1971

Zum 100-jährigen Jubiläum des ersten Entwurfs von Anton Strauss präsentiert sich der Stadtpark als vollkommen konsolidierte Freizeitoase. Der Fokus der Parkpflege verschiebt sich in den Folgejahren von der reinen Repräsentation hin zur Schaffung von nutzbaren Liegewiesen und modernen Kinderspielbereichen für die urbane Bevölkerung.

1989

Das hundertjährige Jubiläum der ersten großen Norderweiterung von 1889 wird zum Anlass genommen, den Zustand des historischen Waldbestands kritisch zu analysieren. Es beginnen gezielte Verjüngungsmaßnahmen im Gehölzbestand, um die von Wilhelm Wagener gepflanzten Strukturen für die Zukunft zu sichern.

2000

Mit dem Beginn des neuen Jahrtausends erfährt der Bochumer Stadtpark eine fundamentale rechtliche Aufwertung in seiner Geschichte. Die gesamte Anlage wird offiziell als bedeutendes gartenkünstlerisches Kulturgut und historischer Landschaftsgarten unter strengen Denkmalschutz gestellt. Alle zukünftigen gärtnerischen Eingriffe müssen fortan im engen Einvernehmen mit den Denkmalschutzbehörden erfolgen.

2019

Um eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für den dauerhaften, substanziellen Erhalt der Anlage zu schaffen, beauftragt die Stadt ein umfassendes gartendenkmalpflegerisches Gutachten (PDF). Dieses wird von den renommierten Weisser Landschafts Architekten aus Wuppertal detailliert ausgearbeitet und dient fortan als verbindliche Richtschnur für alle zukünftigen Sanierungsarbeiten.

2023

Die Stadt Bochum startet auf Basis des Gutachtens eine groß angelegte, ökologische und denkmalgerechte Sanierung des historischen Gondelteichs. Die komplexen Arbeiten umfassen die vollständige Entschlammung des Gewässers, die biologische Aufbereitung der Wasserqualität sowie die behutsame Rekonstruktion der historischen Uferlinien und Sichtachsen, wie sie Ernst Finken im Jahr 1902 ursprünglich erdacht hatte.

2026

Der Bochumer Stadtpark feiert offiziell sein glanzvolles 150-jähriges Jubiläum. Die meisterhaft gereifte 32 Hektar große Parkoase präsentiert sich als unverzichtbares grünes Herz der Stadt, dass die historische Identität des Ruhrgebiets – geprägt durch die Entwürfe von Anton Strauss, Heinrich Strauss, Ernst Finken und Karl Elkart sowie den historischen Wunden des Zweiten Weltkriegs – lebendig mit modernen Freizeit- und Artenschutzeinrichtungen verbindet.